Sehr geehrter Herr Sammer,
Sie haben heute (?) entschieden das Angebot des Hamburger Sport Vereins als neuer Sport-Vorstand abzulehnen und beim DFB Ihren Vertrag zu erfüllen.
Hierauf mit Verwunderung zu reagieren würde der Tragweite wohl nicht annähernd gerecht!
Selbst wenn wir den Berichten in den verschiedenen Medien nur 20% glauben, bleiben Fragen auf die wohl alle gerne eine Antwort hätten.
Also der Reihe nach und mit einem kurzen Blick in die Wirtschaft:
Sie sind beim DFB beschäftigt und mit einem langfristigen Vertrag ausgestattet. Als "Arbeitnehmer" haben Sie Kontakt zu einem anderen Unternehmen (HSV), das Sie bezüglich eines möglichen Wechsels kontaktiert. Sich dieses Interesse in einem Gespräch (oder auch zwei) anzuhören ist nicht verwerflich. Offensichtlich scheint dieser Kontakt interessant zu sein und die Gespräche werden fortgesetzt.
Spätestens jetzt denkt jeder loyale Arbeitnehmer darüber nach, wohin das führen könnte und bespricht diese mögliche Entwicklung mit seiner Familie und ggf. auch mit anderen Vertrauten...
Die Gespräche werden also fortgesetzt. Mehr noch, Sie erarbeiten eine Präsentation zu Ihrem Konzept und Plan für den HSV und präsentieren dieses Konzept 4 (!!!) Stunden lang einigen Mitgliedern des Aufsichtsrates. Sie bekommen offensichtlich das Feedback, dass dieses Konzept vollends überzeugt hat und entscheidende Abstimmungen in die Wege geleitet werden.
Die zweite riesige Chance mitzuteilen, dass Sie nicht überzeugt sind und auch nicht bereit sind den Wechsel durchzuführen.
Also geht es weiter. Das neue Unternehmen stimmt ab und entscheidet sich für Sie. Dieses lassen Sie zu. Noch dazu kommt, dass Sie zur Klärung der Situation sogar Gespräche mit den aktuellen Amtsinhabern zulassen.
Das Ergebnis ist, dass dieses neue Unternehmen Ihnen ein Angebot unterbreitet, dass sowohl monetär als auch inhaltlich (Position, Aufgabenbereich, Konzept) nicht nur ein Angebot ist, sondern gleichzeitig die Zustimmung Ihr neues Unternehmen fast revolutionär umbauen zu dürfen und ein gigantischer Vertrauensbeweis in Ihre Person und Fähigkeiten. Dieses müssen Sie als Fachmann definitiv erkannt haben. Insbesondere, dass das neue Unternehmen weit über das normale Maß hinaus gegangen ist um dieses Angebot zu realisieren. Einfach formuliert: Es hat sich Ihnen in Ihrem Aufgabenbereich quasi ausgeliefert!
Nun also kommt es zum entscheidenden Schwur. Das Angebot liegt auf dem Tisch und nahezu alle Entscheidungen sind getroffen. Ihre Entscheidung muss nun auch schon gefallen sein, da Sie ansonsten diesen "Prozess" schon lange und häufig hätten unterbrechen können und müssen.
Sie reisen zu Ihrem aktuellen Arbeitgeber und ... fallen um?!
Angeblich seien Sie unentschlossen (Mayer-Vorfelder) gewesen?
Haben Sie dem Druck (???) nach gegeben? Wobei die Frage erlaubt sei: Welcher Druck? Was soll passieren? Den neuen Arbeitgeber gibt es ja schon...
Final hinterlassen Sie also einen riesigen Scherbenhaufen, der nur Verlierer hat:
1. Verlierer: Der DFB
Herzlichen Glückwunsch an Herrn Dr. Zwanziger, der also jetzt weiter mit einem offensichtlich unzufriedenen (sonst hätte es die Gespräche mit dem HSV wohl kaum in der Qualität gegeben) Sportdirektor weiterarbeiten darf und sich "freut", dass dieser erfolgreiche Weg fortgesetzt wird.
2. Verlierer: Der HSV
Sie hinterlassen einen fassungslosen, ja schockierten, Verein! Entsetzte Aufsichtsräte (mehrheitlich erfahrene Wirtschaftsleute) und ein gegen die Wand gestellter aktueller Sportdirektor, der jetzt die Suppe auslöffeln darf. Noch dazu die Fans und Freunde des Clubs, die Ihre Hoffnungen in Sie gesetzt haben.
3. und größter Verlierer: SIE!!!
Der konsequente, ehrliche und gerade Matthias Sammer hat sein wahres Gesicht gezeigt?
Nicht loyal gegenüber dem DFB! Nicht loyal gegenüber dem HSV! Schon gar nicht konsequent!
Wer A,B und C sagt muss auch D sagen!
"Das Angebot des HSV ehrt Sie..." Keine Angst: Das kommt nie wieder!
"Sie haben noch eine Aufgabe beim DFB und freuen sich sie fortzusetzen..." Wir werden sehen!
Ihre sonst so weiße Weste hat nicht nur Flecken erhalten, sondern einen Durchschuss mit Kaliber 350 nicht überstanden!!!
Unter diesen Umständen muss der HSV ja fast froh sein, Sie nicht bekommen zu haben. Wenn sich dieses Verhalten zu einem späteren Zeitpunkt gezeigt hätte...
Für den Beobachter kann die Hoffnung nur lauten, dass Ihr Verhalten in dieser Angelegenheit erkannt worden ist. Das Ergebnis kann dann nur sein, dass kein Clubchef auf die Idee kommt, Sie (in welcher Funktion auch immer) zu verpflichten. Das wäre zumindest das Ergebnis in der freien Wirtschaft!
Von Auftritten als SKY-Experte in Hamburg rate ich definitiv ab!
Es bleibt mir letztlich das (extrem eingeschränkte) Interesse an Ihrem Auftritt bei SKY 90 am kommenden Sonntag und den dann zu liefernden "Erklärungen".
Sie haben etwas geschafft, dass nur wenige Menschen wirklich erreichen:
Ein wirklich positives Bild und die breite Zustimmung und Wahrnehmung Ihrer Person in der Öffentlichkeit in wenigen Tagen komplett zu zerstören!
In der Hoffnung, dass Sie in Zukunft Abstand von Ausführugen zu den Themen Konsequenz, Loyalität, konzeptionelles Arbeiten und zu allen Spieler-, Trainer oder Managerwechseln nehmen verbleibe ich
mit sportlichen Grüßen
Stephan Wetzel
P.S. Dieser Brief stellt lediglich die subjektive Meinung und Wahrnehmung einer einzelnen Person dar.
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Kommentar von Herthaner am 23. Januar 2011 um 9:28am
Kommentar von Sven Schnabel am 24. Januar 2011 um 8:02am Jo Wetzi,
Du sprichst mir aus der Seele mein Freund. Gerade gestern habe ich gehört, dass Sammer wegen des Zeitdrucks abgesagt hat. Angeblich hätten der HSV und der DFB zu sehr auf eine "kurzfristige" Entscheidung gedrängt. Aber mal ehrlich...Die ersten Gespräche wurden wohl schon vor mehreren Wochen geführt. Bereits da hatte Herr Sammer doch sicher schon eine leichte Tendenz. Dann hat er vor über einer Woche (?) in einer 4-stündigen!!! Präsentation SEIN Konzept vorgestellt. Spätestens nachdem sich die HSV-Führung einstimmig für Sammer ausgeprochen hat, musste er damit rechnen, dass alle Parteien (DFB, HSV, Familie) eine Entscheidung hören wollen. Kommt mir alles etwas seltsam vor und ich bin gespannt, ob sich Herr Sammer dazu nochmal äußern wird.
Doch wie gehts nun weiter? Die wenigen, aber dennoch aussagekräftigen Einzelheiten des Angebots haben sicher Begehrlichkeiten bei den Personen geweckt, die den Job eines Sportdirektors ausüben können. Ich gehe davon aus, dass sich einige Kandidaten nun selbst ins Gespräch bringen werden. Allerdings wird fraglich sein, ob der HSV so ein mehr als großzügiges Angebot nochmals aussprechen wird.
Kommentar
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